Mehr Hertz sind besser? Der 120Hz-Mythos im Faktencheck
Fernseher mit 120Hz, 144Hz oder gar 240Hz versprechen angeblich das bessere Bild. Doch was steckt wirklich hinter den Hertz-Zahlen? Wir räumen mit verbreiteten Irrtümern auf und zeigen, was für dich wirklich zählt.
Was bedeutet Hertz eigentlich?
Wenn du einen Fernseher kaufen möchtest, begegnest du unweigerlich einer Zahl, die besonders häufig hervorgehoben wird: der Bildwiederholrate, ausgedrückt in Hertz (Hz). Die Hersteller preisen 120Hz, 144Hz oder sogar 240Hz als Killer-Feature an, das angeblich für ein deutlich besseres Bild sorgt. Doch was verbirgt sich hinter dieser Angabe tatsächlich?
Die Bildwiederholrate beschreibt schlicht, wie oft pro Sekunde ein neues Bild auf dem Bildschirm erscheint. Ein 60Hz-Fernseher zeigt 60 Bilder pro Sekunde, ein 120Hz-Modell verdoppelt diese Zahl auf 120 Bilder. Theoretisch bedeutet das: mehr Bilder bedeuten flüssigere Bewegungen und weniger Unschärfe bei schnellen Szenen. So weit, so logisch.
Aber hier beginnt bereits die erste Falle der Vereinfachung. Denn die reine Hertz-Zahl sagt wenig darüber aus, wie gut ein Fernseher tatsächlich mit Bewegungen umgeht. Ein entscheidendes Instrument ist die Zwischenbildberechnung (Motion Interpolation), bei der der Fernseher selbst zusätzliche Bilder errechnet und zwischen den Originalbildern einfügt. Diese Technologie wird von Herstellern unterschiedlich gut umgesetzt und hat nichts mit der reinen Panel-Bildwiederholrate zu tun.
Sieben Mythen im Faktencheck
Mythos 1: Mehr Hertz bedeuten automatisch bessere Bildqualität
Die Wahrheit: Diese Aussage ist nur teilweise richtig und wird oft missverstanden. Die Hertz-Zahl ist nur ein Faktor von vielen, die die wahrgenommene Bildqualität beeinflussen.
Die Erklärung: Ein Fernseher mit 120Hz hat nicht automatisch das bessere Bild als ein 60Hz-Modell. Entscheidender ist, wie gut die Panel-Technologie, das Upscaling und die Bewegungsverarbeitung zusammenspielen. Der Sony XR-77A95L etwa überzeugt mit seinem QD-OLED-Panel und dem Cognitive Processor XR auch bei "nur" 120Hz mit einer herausragenden Bilddarstellung. Umgekehrt bringt ein minderwertiges 144Hz-Panel mit schlechter Bewegungsglättung wenig Vorteile. Die Technologie hinter der Hertz-Zahl ist entscheidender als die Zahl selbst.
Mythos 2: 120Hz ist nur für Gamer relevant
Die Wahrheit: Diese Behauptung greift viel zu kurz und ignoriert die Vorteile für Filmfans und Sportbegeisterte.
Die Erklärung: Zwar profitieren Gamer besonders von hohen Bildwiederholraten, da Consoles wie die PlayStation 5 und Xbox Series X Spiele in 120Hz ausgeben können. Doch auch Film- und Serienfans profitieren: Die Zwischenbildberechnung kann Filme, die traditionell mit 24 Bildern pro Sekunde aufgenommen wurden, auf 60 oder 120Hz glätten. Allerdings führt aggressive Bewegungsglättung oft zum berüchtigten "Soap-Effekt", der Kinofeeling zerstört. Die meisten hochwertigen Fernseher bieten daher verschiedene Modi, sodass du selbst entscheiden kannst, ob du die Glättung möchtest.
Mythos 3: 60Hz-Fernseher sind ungeeignet für Sportübertragungen
Die Wahrheit: Diese Aussage ist schlicht falsch und resultiert aus einem grundlegenden Missverständnis.
Die Erklärung: Die meisten Sportübertragungen werden ohnehin mit 50 oder 60Hz ausgestrahlt, sodass ein 60Hz-Fernseher diese Inhalte in ihrer Originalfrequenz darstellen kann. Was einen guten Sportfernseher ausmacht, ist weniger die Panel-Bildwiederholrate als vielmehr gute Bewegungsverarbeitung, hohe Helligkeit für超大 Bildschirme in hellen Räumen und ein großes Panel für das Stadion-Feeling. Der Samsung QE75QN85D etwa bietet mit seinem 75 Zoll Mini-LED-Display und 144Hz ein hervorragendes Gesamtpaket für Sport, das aber auch mit seinem 60Hz-Modus exzellent arbeiten würde.
Mythos 4: HDMI 2.1 ist zwingend erforderlich für 120Hz
Die Wahrheit: HDMI 2.1 ermöglicht 120Hz bei 4K-Auflösung, ist aber nicht die einzige Möglichkeit.
Die Erklärung: HDMI 2.1 bietet die nötige Bandbreite für 4K bei 120Hz (ca. 32 Gbit/s). Ältere HDMI-2.0-Anschlüsse schaffen bei 4K maximal 60Hz. Allerdings gibt es auch DisplayPort-Verbindungen, die höhere Bildraten ermöglichen. Für Next-Gen-Gaming an PlayStation 5 oder Xbox Series X ist HDMI 2.1 mit 120Hz-Unterstützung tatsächlich wichtig, da diese Konsolen 4K bei 120Hz ausgeben können. Achte beim Kauf darauf, dass alle HDMI-Ports 2.1 unterstützen, nicht nur einer.
Mythos 5: 144Hz ist deutlich besser als 120Hz
Die Wahrheit: Der praktische Unterschied zwischen 144Hz und 120Hz ist für die meisten Nutzer kaum wahrnehmbar.
Die Erklärung: Der Sprung von 60 auf 120Hz bringt einen spürbaren Gewinn an Flüssigkeit. Der weitere Sprung auf 144Hz ist hingegen marginal und im Alltag kaum zu bemerken. Das menschliche Auge nimmt jenseits von etwa 120Hz ohnehin keine wesentlichen Unterschiede mehr wahr. Die 144Hz-Angabe ist daher eher ein Marketing-Argument für Gaming-Enthusiasten als ein echtes Kaufkriterium. Viel wichtiger sind Faktoren wie Input-Lag, VRR-Unterstützung (Variable Refresh Rate) und die качеств der Bewegungsverarbeitung.
Mythos 6: Höhere Hertz-Zahlen bedeuten immer flüssigere Bewegungen
Die Wahrheit: Nicht jedes zusätzliche Hertz führt zu spürbar besseren Bewegungen.
Die Erklärung: Die wahrgenommene Bewegungsschärfe hängt von mehreren Faktoren ab: der Panel-Reaktionszeit (wie schnell Pixel ihre Farbe ändern können), der Qualität der Bewegungsinterpolation und der Bildverarbeitung. Ein 60Hz-OLED mit exzellenter Zwischenbildberechnung kann bei Bewegungen besser aussehen als ein 144Hz-LCD mit langsamer Reaktionszeit. Die Hersteller-Software zur Bewegungsglättung (Samsung nennt es Auto Motion Plus, Sony MotionFlow) ist oft entscheidender als die nackte Hertz-Zahl.
Mythos 7: Ein 240Hz-Fernseher ist viermal so gut wie ein 60Hz-Modell
Die Wahrheit: Die Vergleichsrechnung geht nicht auf, da 240Hz oft auf Tricks basieren.
Die Erklärung: Viele Fernseher, die mit 240Hz beworben werden, erreichen diese Zahl nicht über die native Panel-Bildwiederholrate. Stattdessen setzen Hersteller auf Tricks wie Black Frame Insertion (BFI), bei dem schwarze Bilder zwischen den Normalbildern eingefügt werden, oder auf 软件basierte Verdopplung. Das natives Panel läuft oft weiterhin mit 120Hz. Diese Technologien können sogar kontraproduktiv sein, da sie die Helligkeit reduzieren oder zu Flackern führen können.
Für wen lohnt sich 120Hz wirklich?
Nachdem wir die Mythen entkräftet haben, fragst du dich sicher: Für wen lohnt sich die Investition in einen 120Hz-Fernseher überhaupt? Die Antwort hängt maßgeblich von deinem Nutzungsverhalten ab, und nicht jeder braucht tatsächlich die höhere Bildwiederholrate.
PC- und Konsolen-Gamer: Hier ist 120Hz (oder höher) tatsächlich sinnvoll, wenn du Spiele in hohen Framerates spielen möchtest. Die PlayStation 5 und Xbox Series X unterstützen 4K bei 120Hz, und viele PC-Games profitieren enorm von hohen Framerates. Wichtig ist dabei aber nicht nur die Panel-Bildwiederholrate, sondern auch Features wie HDMI 2.1, Variable Refresh Rate (VRR) und Auto Low Latency Mode (ALLM), die der Samsung QE75QN85D mit seinen 144Hz und vier HDMI-2.1-Anschlüssen bietet. Diese Funktionen sorgen für synchronisierte Bildwiederholraten zwischen Konsole und Fernseher sowie automatisch reduzierte Eingabeverzögerung.
Film-Enthusiasten: Für dich ist die Bildwiederholrate weniger entscheidend als die Panel-Technologie und der Prozessor. Ein 60Hz-OLED wie der LG OLED77B4 liefert mit seinem α8 AI Processor und perfekten Schwarzwerte ein Kinofeeling, das viele 120Hz-LCDs nicht erreichen. Die Zwischenbildberechnung kannst du bei Bedarf zuschalten, viele Filmfans bevorzugen aber den nativen 24p-Modus ohne Glättung für das authentische Kinoerlebnis.
Sportfans: Bei Sportübertragungen zählen andere Faktoren: große Bildschirmdiagonale für das Stadion-Feeling, hohe Helligkeit für Wohnzimmerumgebungen und gute Bewegungsverarbeitung. Ein 75 Zoll Mini-LED wie der Samsung QE75QN85D zeigt auch bei 60Hz-Inhalten (die meisten Sportübertragungen) ein exzellentes Bild, profitiert aber von der hohen Spitzenhelligkeit des Mini-LED-Panels.
Normale TV-Nutzer: Wenn du hauptsächlich Netflix, Prime Video und lineares TV schaust, ist ein guter 60Hz-Fernseher mit hervorragender Bildverarbeitung oft die bessere Wahl. Die zusätzlichen Euros für 120Hz bringen hier keinen spürbaren Mehrwert. Ein LG OLED65G5 etwa bietet mit 120Hz und dem α11 AI Processor zwar Top-Technologie, ist aber für diese Nutzung overkill.