LG C4 vs Samsung S90D: OLED-Mittelklasse im Kampf
Zwei OLED-TVs der gehobenen Mittelklasse im direkten Vergleich: Wir analysieren Bildqualität, Gaming-Features, Smart-TV-Systeme und das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Einleitung: Der Kampf um die OLED-Mittelklasse
Die OLED-Technologie hat sich in den letzten Jahren von einer Premium-Technologie zu einer zunehmend zugänglichen Option für anspruchsvolle Heimkino-Fans entwickelt. Während Flagship-Modelle wie der LG G5 oder Samsung S95D nach wie vor Preise von über 2500 Euro aufrufen, bietet die gehobene Mittelklasse eine attraktive Balance aus hervorragender Bildqualität und einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis.
In diesem Vergleich stellen wir uns der Frage: Welcher OLED-TV bietet mehr für dein Geld? Der LG OLED65C4 mit seinem 65-Zoll-Display und dem bewährten webOS-System tritt gegen den kompakteren Samsung GQ55S90D mit Neural Quantum Processor an. Beide Geräte teilen sich nicht nur die OLED-Technologie mit perfekten Schwarzwerten, sondern auch einen identischen Score von 8.8 von 10 Punkten in unserer Bewertung. Doch die Unterschiede im Detail sind erheblich und können für deine Kaufentscheidung ausschlaggebend sein.
Wir vergleichen beide TVs in den entscheidenden Kategorien: Bildqualität und HDR-Performance, Gaming-Tauglichkeit, Smart-TV-Funktionen, Anschlussmöglichkeiten und Klang. Am Ende dieses Artikels weißt du genau, welcher Fernseher am besten zu deinen Anforderungen passt.
Display-Technologie und Bildqualität
Sowohl der LG OLED65C4 als auch der Samsung GQ55S90D setzen auf die selbstleuchtenden OLED-Pixel, die einzeln ein- und ausgeschaltet werden können. Dies sorgt für das charakteristische unendliche Kontrastverhältnis und perfekte Schwarzwerte, die bei LCD-TVs mit local Dimming nicht erreichbar sind. Die subjektive Bildwahrnehmung unterscheidet sich jedoch je nach eingesetztem Panel-Typ und Bildprozessor.
Der LG OLED65C4 verwendet das hauseigene OLED evo Panel mit einer Bildwiederholrate von 120 Hz. Die Farbdarstellung lebendig und natürlich zugleich, wobei LG besonders bei Skin-Tones eine harmonische Abstimmung erreicht. Die Spitzenhelligkeit liegt auf einem sehr guten Niveau für OLED-Verhältnisse und reicht aus, um HDR-Inhalte mit ordentlichem Impact darzustellen. Der α9 AI-Prozessor der vierten Generation verarbeitet das Bildsignal und optimiert Inhalte in Echtzeit.
Samsung setzt beim S90D auf das hauseigene Neural Quantum Processing, das mithilfe von neuronalen Netzwerken und maschinellem Lernen die Bildqualität optimiert. Mit 144 Hz Bildwiederholrate bietet der Samsung einen leichten Vorteil für Gaming, während das Panel selbst eine vergleichbare Grundqualität liefert. Die Farbdarstellung fällt bei Samsung tendenziell etwas knackiger aus, was manche Nutzer als lebendiger empfinden, während andere LG's natürlichere Abstimmung bevorzugen. Ein wichtiger Unterschied zeigt sich beim HDR-Support: Samsung verzichtet auf Dolby Vision und setzt auf HDR10+ als alternatives dynamisches HDR-Format.
Gaming-Performance: Wer holt mehr aus deiner Konsole heraus?
Für Gaming-Fans ist die Ausstattung mit HDMI 2.1-Anschlüssen, variabler Bildwiederholrate (VRR) und niedriger Input Lag entscheidend. Beide Konkurrenten bieten hier eine hervorragende Ausstattung, unterscheiden sich aber in Nuancen, die für passionierte Gamer relevant sein können.
Der LG OLED65C4 verfügt über vier HDMI 2.1-Anschlüsse, die alle Features der Next-Gen-Konsolen unterstützen. Die Input Lag liegt bei hervorragenden unter 10 Millisekunden im Game Mode, während VRR (sowohl AMD FreeSync als auch HDMI Forum VRR) und ALLM (Auto Low Latency Mode) an Bord sind. Der 120-Hz-Modus liefert eine butterweiche Darstellung schneller Bewegungen, und die Unterstützung von Dolby Vision Gaming macht den C4 besonders für Xbox-Series-X-Besitzer interessant, da die Konsole Dolby Vision in Spielen unterstützt.
Der Samsung GQ55S90D trumpft mit einer noch höheren Bildwiederholrate von 144 Hz auf, was zwar für PC-Gamer mit entsprechender Grafikkarte relevant ist, für Konsolen-Spieler aber keinen praktischen Vorteil bringt, da PS5 und Xbox Series X auf 120 Hz begrenzt sind. Die vier HDMI 2.1-Anschlüsse bieten ebenfalls volle Unterstützung für VRR und ALLM. Der Neural Quantum Processor analysiert Spielinhalte und passt die Bildparameter automatisch an. Ein kleiner Wermutstropfen: Da Samsung kein Dolby Vision unterstützt, gehen Xbox-Gamer des Features verlustig, das bei LG verfügbar ist.
Smart-TV-Systeme: webOS gegen Tizen
Das Betriebssystem eines Smart TVs beeinflusst maßgeblich die tägliche Nutzererfahrung. LG setzt auf webOS in der aktuellen Version 24, während Samsung seit Jahren auf Tizen setzt. Beide Systeme haben ihre Vorzuge und entwickeln sich kontinuierlich weiter.
webOS zeichnet sich durch seine charakteristische Kachelperformance aus, die Inhalte als scrollbare Leisten am unteren Bildschirmrand darstellt. Die Bedienung ist intuitiv, und die Integration von Sprachassistenten wie Google Assistant und Amazon Alexa funktioniert reibungslos. LG hat in den letzten Jahren die App-Auswahl deutlich erweitert, sodass alle gängigen Streaming-Dienste wie Netflix, Disney+, Amazon Prime Video, Apple TV+ und Max verfügbar sind. Die Startzeiten sind schnell, und das System reagiert insgesamt flüssig auf Eingaben.
Tizen von Samsung bietet einen anderen Ansatz mit einem Full-Screen-Startbildschirm, der Inhalte und Apps prominent platziert. Die App-Auswahl ist ebenfalls umfangreich und umfasst alle namhaften Streaming-Dienste. Ein Vorteil von Tizen ist die tiefe Integration mit dem Samsung-Ökosystem, einschließlich Smart-Home-Steuerung über SmartThings. Die Bedienung erfordert etwas Eingewöhnungszeit, ist aber nach kurzer Zeit ebenfalls intuitiv. Beide Systeme unterstützen AirPlay 2 für Apple-Nutzer, was die Spiegelung von iPhone, iPad und Mac erleichtert.
Ton und Klangqualität
Die integrierten Lautsprecher von Fernsehern sind traditionell ein Schwachpunkt, und das gilt auch für die OLED-Mittelklasse. Dennoch lohnt sich ein Vergleich, da die Hersteller unterschiedliche Ansätze verfolgen.
Der LG OLED65C4 verfügt über ein 2.2-Soundsystem mit einer Ausgangsleistung von 40 Watt. Die Klangqualität ist für einen flachen Fernseher durchaus respektabel, mit klaren Dialogen und einem gewissen räumlichen Effekt. Für Filmabende und gelegentliches Fernsehen reicht die Qualität aus, aber echte Heimkino-Fans werden trotzdem zu einer Soundbar oder einem AV-Receiver greifen wollen. LG unterstützt Dolby Atmos, was bei entsprechenden Inhalten für eine erweiterte Bühne sorgt, auch wenn die internen Lautsprecher das volle Potenzial nicht ausschöpfen können.
Der Samsung GQ55S90D bietet eine vergleichbare Ausgangsleistung von 40 Watt, unterscheidet sich aber in der Klangabstimmung. Samsung legt mehr Wert auf Sprachverständlichkeit und Höhen, was bei Dialogen und lebhafter Musik vorteilhaft ist. Der Neural Quantum Processor analysiert auch Audioinhalte und passt die Klangcharakteristik an. Wie beim LG fehlt auch hier der richtig tiefe Bass, der für ein authentisches Kinogefühl nötig wäre. Beide TVs unterstützen Q-Symphony, was bei Samsung die Kombination mit kompatiblen Samsung-Soundbars ermöglicht, während LG mit WOW Orchestra einen ähnlichen Ansatz für eigene Soundbars bietet.
Ausstattung und Anschlüsse im Detail
Die Anschlussvielfalt und zusätzliche Ausstattung entscheiden darüber, wie flexibel du deinen Fernseher in bestehende Setups integrieren kannst. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Kontrahenten.
Der LG OLED65C4 bietet vier HDMI 2.1-Anschlüsse, die alle an der Seite des TVs liegen und leicht zugänglich sind. Hinzu kommen drei USB-Anschlüsse, ein CI+-Slot, ein Ethernet-Anschluss für kabelgebundenes Internet und optischer Digitalausgang. Der Twin-Tuner für DVB-T2 HD, Kabel und Satellit ermöglicht das gleichzeitige Aufnehmen eines Programms während du ein anderes schaust - ein Feature, das Samsung beim S90D vermissen lässt. Der S90D konzentriert sich auf digitales Fernsehen über DVB-T2 und bietet keinen Tuner für Kabel oder Satellit, was für viele Nutzer ein Ausschlusskriterium sein kann.
Der Samsung GQ55S90D verfügt ebenfalls über vier HDMI 2.1-Anschlüsse, jedoch mit dem bereits erwähnten Verzicht auf einen vollständigen TV-Tuner. Die Energieseffizienz beider Geräte liegt im OLED-typischen Bereich, wobei Samsung mit der Einstufung F und LG ebenfalls im mittleren Bereich angesiedelt sind. Ein praktischer Vorteil des Samsung ist der Game Hub, der alle Gaming-bezogenen Funktionen bündelt und schnellen Zugriff auf cloudbasiertes Gaming ermöglicht.